Von Kopfnüssen und Ohrenrubbeln

An dem „Gymnasium für Jungen“, das ich die Ehre hatte, besuchen zu dürfen, hatte fast jeder Lehrer sich eine besondere Art ausgedacht:

Herr Roßkopf liebte es, die Ohren zu rubbeln. „Pohl, hol dir einen Satz heiße Ohren ab“, hieß es dann. Man musste nach vorne kommen. Herr R. legte beide Hände auf die Ohren und begann die Ohren hart und schnell zu rubbeln. Sie wurden wirklich heiß.

Herr Kociemba meinte immer: „Leichte Schläge auf den Hinterkopf erhöhen das Denkvermögen“. Er gab aber nicht leichte Schläge auf den Hinterkopf, sondern setzte eine harte Kopfnuss, die er voll von unten nach oben über den Hinterkopf zog.

Herr Dr. Oechler schlug einen „wie einen Stallhasen“. Dazu musste man sich über den Lehrertisch beugen und bekam mit der flachen Hand in den Nacken geschlagen.

Frau Zielke war Kunstlehrerin und konnte es nicht leiden, wenn Schüler sich beim Schnitzen statt in den entstehenden Holzelefanten in die Hand schnitten. Dann musste man nach vorne kommen. Der arme Noack hatte eine Brille. Den schrie sie dann an: „Brille ab!“, holte aus, so weit sie konnte und klatschte ihre Hand ihm ins Gesicht.

Alle fanden ihre Späßchen äußerst lustig. Wir Jungs nicht.

Ich kannte das von der Volksschule, wie sie damals hieß, nicht. Jedenfalls nicht in diesem Ausmaß. Einmal hat mir allerdings Herr Scholz in der Vierten Klasse eine Ohrfeige gegeben, dass ich Nasenbluten bekam. Die Mädchen in der Klasse haben empört aufgeschrien, dass ich nicht schuld sei. Das hat mich dann ein bisschen stolz gemacht.

In der Volksschule wurde eher mit „In die Ecke stellen“ bestraft und die Nuckel-Liese, die immer am Daumen lutschte, bekam ihren Daumen dick eingewickelt.

In der Dorfschule, die ich für ein knappes Jahr besuchte, hatte der Lehrer noch einen Rohrstock. Man musste die Hände vorzeigen und wer schmutzige Hände hatte, bekam eins übergezogen.

Hat’s was geschadet? Und wie.

 

1 Kommentare

  1. Frau Zielke scheint nach dem Motto „Tritt nach, der zappelt noch“ verfahren zu sein…

    derlei Methoden schaffen nur eins, das hab ich bei meinen Nachbarskindern (deren Mutter flinke Hände hatte) nur zu deutlich beobachten müssen: Verstockung. Und ich begreife das Wort in seiner ganzen Bildlichkeit: das Kind verholzt, wird hölzern hart wie ein Stock, wie ein Besenstiel, dem’s letztlich egal ist, ob er im Besen oder im Schrubber steckt oder ob man mit ihm eine Kruppe verwimst. 🙁 Pädagogische FOrtschritte gibts gar nicht. Denn das Denkvermögen wird entgegen der Behauptung gar nicht gefördert, und was man schon trockenen Auges nicht versteht, das kapiert man erst recht nicht, wenn sie vor Tränen überquellen.

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