Kalenderblatt: Und fährt und fährt

Mein erstes Auto war natürlich ein Käfer. 1969 habe ich ihn von Herrn Stratmann für 300 Mark gekauft. Er war Baujahr 1953 und ich nannte ihn Asterix. Er war natürlich grau wie alle Käfer.

Asterix war kein Brezelkäfer. 1953 war nämlich das bis dahin geteilte Rückfensterchen durch ein ungeteiltes ovales Fensterchen ersetzt worden.

Asterix hatte noch Winker. Aber seit 1963 waren Blinker gesetzlich vorgeschrieben. Die hatte man nachgebaut. Als ich später einmal einer Freundin (1964 geboren), erzählte, in meiner Kindheit hätten die Autos Winker gehabt, war die Reaktion: „Du verarschst mich doch“.

Winker

Asterix hatte etwas, was ich an modernen Autos vermisse: einen Reservetank. Wenn das Benzin auszugehen drohte, was man am beginnenden Stottern des Motors merkte, musste man versuchen, blitzschnell mit dem Fuß vom Gaspedal weg einen kleinen Schalter im Fußraum umzudrehen. Dann wurde auf „Reserve“ umgeschaltet und man konnte noch einige Kilometer fahren.

Benzin einfüllen war etwas schwierig. Der Tank befand sich nämlich im Kofferraum, der sich wiederum unter der Kühlerhaube befand. Wollte man wirklich einmal verreisen, musste man zum Tanken erst das Gepäck ausräumen.

Asterix war noch nicht synchronisiert. Höherschalten war noch einfach, relativ. Man musste dazu auskuppeln, den Gang einlegen und wieder einkuppeln. Das war „Zwischenkuppeln“. Runterschalten war eine Kunst. Man musste auskuppeln, blitzschnell die richtige Menge Gas geben und wieder einkuppeln. Das war „Zwischengas“

Die ersten Tage waren peinlich. Selten gelang mir die richtige Gasdosierung und es krachte fürchterlich. das Gaspedal war übrigens ein Rädchen.

Asterix hatte nur eine 6-Volt-Lichtanlage, das war nachts nicht sooo hell. Eines Tages war die Armaturenbeleuchtung ausgefallen, seitdem orientierte ich meine Geschwindigkeit nachts an dem blauen Fernlichtlämpchen, das in der Mitte des Tachos bei Fernlicht leuchtete. Dann durch ich 50 Stundenkilometer. Nur durch Zufall entdeckte ich dann, dass es einen Drehknopf für die Armaturenbeleuchtung gab. Ich war entzückt über das hochmoderne Auto.

Leider fährt Asterix nicht mehr.

Heute, am 3. Juli, vor 75 Jahren wurde der erste Käfer vorgestellt.

3 Kommentare

  1. fein *strahl* was sind das für käferreminiszenzen vom feinsten … ich kenne das auch fast alles, bis auf diesen edlen blinker 🙂
    meine frau fuhr mal mit nem käfer ein halbes jahr ohne öl … heute undenkbar sowas robustes!
    herzlich
    eddy

    • Mir hatte bis dahin noch nie jemand gesagt, dass man Öl überprüfen musste. Wenn ich von Darmstadt nach Frankfurt gefahren bin (35 km) musste ich später unterwegs Öl nachfüllen…

  2. Mein erstes Auto brauchte theoretisch 0,8 Liter Öl auf 400 Kilometer, praktisch etwas mehr. Zumal wenn es mehr Sprit brauchte… Dafür hörte es auf den schönen Namen Martin, hatte fünf Türen, vier Räder, drei Zylinder und zwei Takte. Und eine Fahrertür mit hängenden Scharnieren – die mußte man anheben, um sie zuzukriegen, was von innen gar nicht einfach war: der Türgriff war nur an der Innenverkleidung aus Pappe verschraubt…
    Einen Käfer hatte mein Klassenkamerad, einen roten Mexiko-Käfer. Den haben wir manchmal auf dem Parkplatz stillgelegt: Motorhaube auf (mangels Kühler haben Käfer übrigens keine Kühlerhaube… ;)), und einmal den Gaszug am Vergaser bis zum Anschlag durchgezogen. Damit ersoff nämlich der Vergaser, und Marc hätte mit durchgetretenem Gaspedal einige Minuten orgeln müssen, um den Wagen zu starten. Hat er aber nie begriffen… Selbst gefahren hab ich den nur einmal, weil Marc nicht wußte, wie man tankt.
    Der Mexiko-Käfer hatte aber schon einen Tankstutzen im Seitenblech.

    Mein Opa hatte dagegen zwei Käfer; den von 57 hat er verkauft, statt ihm Blinker zu verpassen, und den von 61 hat er irgendwann gegen einen Ford eingetauscht. Ein Käfer und eine Isetta paßten übrigens zusammen in die Garage.

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