Wer war’s – wie geschah’s

Früher habe ich nur „Das Erste“ gesehen. Da gabs nichts anderes. Und noch früher habe ich nur „Das Erste“ gehört. Da hatten wir noch keinen Fernseher.

Wenn meine Eltern dann abends zu Geiers Fernsehgucken gegangen sind, konnte ich Radio hören. An einem Riesengerät mit einer Skala. Beromünster, Hilversum und wie diese wichtigen Sendeorte alle hießen.

Drehte man am Knopf, kam durch den „Äther“, wie man das damals nannte, ein Knattern und Rauschen es, bis man schließlich einen Sender hörte. Der „Äther“ war aber nicht etwa das Gerät, sondern so nannte man diese merkwürdigen Luftschichten, durch die Radiowellen zu uns getragen werden, so ähnlich wie man bei der Operation betäubt wird, wenn man einen Wattebausch mit Äther vor die Nase gehalten bekommt.

Donnerstag waren meine Eltern immer bei Geiers. Das war mein Lieblingsabend.
Es ging um 8 los mit Hans Werres „Schlagerbörse“, dann ertönte um 9.15 ein einem durch Mark und Bein gehendes Sirenengeheul, eine tiefe Stimme fragte:

Wer war’s – wie geschah’s – was war los?
Das Wort hat Kriminalrat Obermoos

Dann erzählte Kriminalrat Obermoos eine schröckliche Kriminalgeschichte, ohne die Lösung zu verraten. Es wurde eine Pause eingelegt mit Musik. Danach löste er den Kriminalfall auf.
Tierische Freude, wenn ich auf die Lösung selbst gekommen war.

Damit war immer noch nicht Schluss. Danach gabs „Quiz zwischen Frankfurt und London“. dafür wurde extra eine Telefonleitung zwischen Frankfurt und London geschaltet und die beiden konnten sich gegenseitig Quizfragen stellen. Die aus London konnte man leider oft nicht verstehen.

7 Kommentare

  1. Der Sender Beromünster, weiland Teil der geistigen Landesverteidigung, existiert nicht mehr… na sagen wir, sendet nicht mehr. Vielleicht wird er zum Museum.

    Radio hören wir heute übers Internet, Mittelwellensender sind „out“…

    Ob die Londoner wohl besser verstanden haben, was in Frankfurt gefragt wurde? ;D

  2. ‚Wer war’s – wie geschah’s, was war los, das Wort hat Kriminalrat Obermoos‘
    Dachte, das kam immer samstags. Aber egal, man konnte beim Zuhören noch seiner Phantasie freien Lauf lassen, was beim Fernsehen ja nicht möglich ist.
    Schlagerbörse mit Hans Werres war ein Muss. Habe aber leider im Laufe der Jahre vergessen, ob das der war mit: ‚und wenn Sie Freizeit haben, dann hüpfen Sie‘ oder war das Fred Metzler??

    • Der mit :“Wenn sie Freizeit haben… „, das war „ATZE“ (Teens, Twens, Top Time), wenn ich mich nicht irre.
      Habe ich auch alles gehört. „Kriminalrat Obermoos“ und auch die „Schlagerbörse“. Hans Werres: „Walter mach die Tür zu!“
      (Wooly Bully). Fred Metzler ist mir auch noch bekannt, kann aber nicht mehr sagen, woher.

      • Der mit :“Wenn sie Freizeit haben… „, war nicht „ATZE“
        (bürg. Name: Hans Karl Schmidt) sondern
        Hans Verres, Direktor der Unterhaltungsabteilung
        des HR.
        Das mit „Walter mach die Tür zu!“ stimmt. Das hat ihm
        wochenlang Spaß gemacht.

      • „Walter mach die Tür zu“ — jaaaa, ich erinnere mich genau! Kaum wurde es gesagt, habe ich es auch gehört und krieg’s bis heute nicht mehr aus dem Ohr raus. Mein Gott, dass sich daran noch jemand erinnert… toll!

  3. Die TV-lose Zeit der Alten erinnere ich nicht. Dazu weiß ich nur aus Erzählungen. Vater ging im Jugendalter in Kneipe.

    Viel TV-Konsum war grundsätzlich nicht bei uns. Aus Vorschulzeit erinnere ich, dass zu Karneval Kamelle aus dem TV fielen. 🙂 Ich meine, ZDF war schon. Später durften wir fast immer Bonanza schauen. Ach ja, Robert Lembke „Was bin ich?“, Ganoven Ede „Vorsicht Falle!…“ wurde oft angeschaut. Sonstiges, hatte nicht so lange Laufzeiten.

    Der Tabernakel, wie der Alte es nannte, wurde immer von Mutter abgeschlossen. Auch Radio durfte ich offiziell erst mit 14 Jahren anmachen. Bedeutend mehr, wie Schulfunk habe ich nicht gehört.
    Einerseits lag es an Mutters Scheu zur Technik, andererseits darin, dass ich im Vorschulalter manches auseinandergenommen habe, aus Neugier, wie es funktioniert. Das war ein nicht finanzierbares Problem.

    Im Hinblick TV gab ich manchmal meinem Ärger Ausdruck. Ich brauchte im Kinderzimmer nur den Lichtschalter auf Kippe stellen. Damit hatten die Alten Schnee im Bild ….Schäm-Grins, immer noch durchwachsen.;-) Sie kamen jedenfalls nicht hinter Ursache.

    Heute: Hauptmedium ist beruflich wie privat der PC, bzw. das Internet. Wäre es nicht, wären Bücher wieder mit höherem Stellenwert, wie TV, Radio.

  4. Hanns Verres (oder war es schon Werner Reinke???) hat während der Moderation den HR mal mit folgendem lustigen Spot veräppelt:
    „Der hessische Rundfunk hat Niveau….wo…wo…wo…..“

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