Wandervogel. Kalenderblatt

„Aber warum, Herr Pohl“,

fragte mich annodazumal Professor Seidelmann in meiner mündlichen Prüfung zur Geschichte der Jugendbewegung. „Es gab unterschiedliche Strömungen im Wandervogel“, antwortete ich.

„Ja, aber was führte zur Spaltung?“

Mir ging natürlich das Bonmot durch den Kopf, der Wandervogel habe sich gespalten, weil die einen nur noch wandern wollten. Aber das konnte ich in der Prüfung natürlich nicht sagen.

„Die Spaltung entzündete sich an der Person Karl Fischers“. – „Jaa, aber was war mit dem?“ – „Karl Fischer war vielen zu autoritär.“ – Herrr Pooohl, der war sooo was von autoritär, Sie können sich das gar nicht vorstellen, wieee autoritär der war“

Sie merken, ich sprach mit einem, der Karl Fischer persönlich gekannt und erlitten hatte.

Karl Fischer

war der Gründer des Wandervogels. Heute, am 4. November vor 109 Jahren, gründete er im Ratskeller in Steglitz den „Wandervogel-Ausschuß für Schülerfahrten“. Nach einem Vorläufer unter dem „Oberhäuptling“ Hermann Hofmann gilt dieses Datum als Initialdatum der Jugendbewegung.

Wandervogel-Gedenktafel (Foto: Wribln)

Wandervogel-Gedenktafel (Foto: Wribln)

Karl Seidelmann dichtete viele Lieder der Jugendbewegung: „Auf grüner Jung“, „Der Käppen, der Stürmann, der Bootsmann und ich – ja wir sind Kerle“, „Buben im Feuerkreise“.

Buben im Feuerkreise
Haltet treu die Wacht!
Singt die alte Weise
Durch die dunkle Nacht

Refrain:
Brüder in den Zelten
Schlaft nur immer zu!
Wachen im Feuerkreise
Schützen eure Ruh.

2. Kameraden, leise
Dämpft der Stimme Schall!
Singt die alte Weise
Durch das stille Tal.

3. Kameraden, leise
Nächste Wache vor!
Singt die alte Weise
Auf zum Sternenchor.

4. Buben im Feuerkreise,
Haltet treue Wacht
Bis der Morgen leise
Verdrängt die dunkle Nacht

Brüder in den Zelten
Wacht dann auf in Ruh
Zieht weiter in die Ferne
Stets der Sonne zu.

Karl Seidelmann

Klingt heute komisch, aber diese Art von Romatik prägte viele Generationen.

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