Zähne. Oder: Die Kunst, Motorrad zu fahren.

In einem flagranten Anflug von Selbstüberschätzung meinte ich erst neulich wieder einmal zu meiner Liebsten: „Vielleicht mache ich ja nochmal meinen Motorradführerschein“.

„Lieber jetzt nicht widerspechen“, mag sie gedacht haben und lächelte nur still vor sich hin.

Glücklicherweise verhält es sich mit meiner Psyche so, dass ich es im Grunde schon für wagemutig genug halte, diesen Gedanken zu hegen, so dass es einer Umsetzung nicht mehr bedarf.

Allein der Gedanke, als beleibter älterer Herr mich mit irgendwelchen jungen Schnöseln in der Fahrschule vergleichen zu müssen – das wäre für die jungen Leute doch zu peinlich.

Zudem denke ich, seit ich in jungen Jahren Johanniter war und manchen Unglückseligen vomn der Autobahn geholt habe, eigentlich bei dem Gedenken an Motorradfahren zuerst an Haut, die über die Straße rutscht. Gerade jetzt, wo ich so schön braun gebrannt von Korsika zurück bin, ist das ein hässlicher Gedanke.

Was ich aber heute in der Rundschau gelesen habe, wird mir hoffentlich den Gedanken ans Motorradfahren für immer austreiben, führte es mir doch drastisch vor Augen, dass Motorradfahren nichts für uns junge Alte ist:

Motorradfahren nichts für Alte!

Mal ehrlich: das muss doch nicht sein. Ich darf zwar stolz behaupten, noch keine dritten Zähne zu besitzen und aus leidvoller Erfahrung prinzipiell keine Nussschokolade zu essen – insofern könnte mir das nicht passieren.

Aber im Unterschied zu meinem Auto wüsste ich zum Beispiel bei einem Motorrad gar nicht, wo ich jenes segensreiche kleine Päckchen Zahnseide, das ich im Auto deponiert habe, verstecken sollte.

Aber im Grunde finde ich das eine peinliche Geschichte. „Motorradfahren wollen und das Gebiss verlieren“, das ist doch wie, wie mein Vater immer sagte, „Mit den großen Hunden pissen gehen und das Bein nicht heben können“, oder?

Apropos mein Vater. Der hat sein Gebiss immer rausgenommen, wénns was zu essen gab, was nicht gut zu kauen war. Und an einem sonnigen Tag in einem Lokal in Österreich konnte er es auch nicht wiederfinden. Der hat aber nicht gleich die Polizei gerufen, sondern wir nur unterm Tisch genauer nachgeschaut.

Da saß unser Schnuffi (so nannten wir unseren Cocker-Spaniel, eigentlich hieß sie Ustinella vom Julyhof, da klingt doch selbst „Schnuffi“ besser) und probierte das Gebiss gerade auch einmal an.

Was mich zu der Frage bringt, wie das Gebiss eigentlich auf die Stanspur gekommen ist. Ich meine, auf der Autobahn steigt ja keiner aus, um solche Fundstücke ordentlich an den Straßenrand zu legen.
Ich kanns mir eigentlich nicht anders vorstellen, als dass irgendein Vogel (vielleicht auch ein schnelles Reh beim Wildwechsel) das Gebiss in der Freude, ein Stück schönes Gammelfleisch gefunden zu haben, apportiert hat, um es dann angeekelt am Straßenrand fallen zu lassen. Oder was glauben sie?

5 Kommentare

  1. Also, von wegen Motorrad FAhren ist nur was für die Jungen! Da täuscht Du dich gewaltig.
    Wir waren auf einer dieser kurvigen Bergstraßen im Schwarzwald und suchten ein Cafe. Auf dem Parkplatz neben uns hielten zwei „Maschinen“ an. Die Fahrer schälten sich aus ihren Monturen und zum Vorschein kamen: Bierbauch und graue Haare. War schon irgendwie desillusionierend.
    ABer ganz klar: Als Student oder Azubi kannst du dir so ein Gerät gar nicht leisten. Und wenn du im Alter bist, wo du Kinderwägen und DReiräder transportieren musst, kaufst du lieber einen Van. Ähnlich verhält es sich mit den rasanten Sportwägen: Da sitzen auch immer angejahrte drin. oder Arrivierte, die sich endlich ihren Jugendtraum leisten können.
    Wollte nicht bissig klingen – es ist halt so.
    gruß
    Kehrtraud

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